Die sechs Muster, die tragen
Nahezu jede sinnvolle KI-Funktion in einer betrieblichen Anwendung ist eine von sechs Sorten. Wer sein Vorhaben keiner davon zuordnen kann, hat meistens keine KI-Aufgabe.
Die Liste ist kurz, und das ist Absicht. Sie stammt nicht aus einem Katalog von Anbietern, sondern aus der Frage: Was kann ein Sprachmodell besser als eine Datenbank und billiger als ein Mensch?
Woran man sie im eigenen Haus erkennt
| Muster | Der Satz, an dem man es hört | Woran der Nutzen gemessen wird |
|---|---|---|
| Einordnen | „Wir sortieren das jeden Morgen von Hand.“ | Durchlaufzeit bis zur richtigen Stelle |
| Herausziehen | „Wir tippen die Zahlen aus den PDFs ab.“ | Erfassungszeit je Beleg, Tippfehlerquote |
| Verdichten | „Das liest sowieso niemand.“ | Wie viele Vorgänge tatsächlich gelesen werden |
| Entwerfen | „Vor dem leeren Blatt dauert es am längsten.“ | Zeit bis zum abgeschickten Text |
| Umformen | „Dasselbe noch mal, nur für den Kunden.“ | Zahl der Doppelerfassungen |
| Beantworten | „Das steht im Handbuch, aber keiner findet es.“ | Rückfragen an die Fachabteilung |
Das Muster, das keines ist
„Entscheiden“ steht nicht in der Liste. Ein Sprachmodell soll nichts entscheiden, was Folgen hat — es soll etwas vorschlagen, das jemand entscheidet. Der Unterschied ist nicht Vorsicht, sondern der Kern von Station 04 und der Grund, warum Station 07 überhaupt nötig ist.
WarumWarum genau diese sechs
Die Liste ist nicht aus Produktkatalogen zusammengetragen, sondern aus einer einzigen Frage abgeleitet: Was kann ein Sprachmodell, das weder eine Datenbank noch ein Regelwerk kann?
Die Antwort ist immer dieselbe: Es kommt mit unstrukturiertem, nicht vorhersehbar formuliertem Text zurecht. Ein Mensch schreibt „die Heizung tropft“ oder „aus dem Ventil kommt Wasser“ oder „Wasserschaden Treppenhaus“ — für eine Regel sind das drei Fälle, für ein Modell ist es einer.
Alle sechs Muster sind Anwendungen genau dieser einen Fähigkeit: aus Text etwas machen (einordnen, herausziehen), aus Text weniger Text (verdichten), aus wenig Text mehr Text (entwerfen), aus Text anderen Text (umformen), aus Text plus Frage eine Antwort (beantworten).
Deshalb ist die Liste stabil. Sie hängt nicht am Stand der Modelle, sondern daran, wozu Sprachverarbeitung überhaupt gut ist.
TiefeWelche zwei Muster in den nächsten Jahren dazukommen könnten
Sehen. Modelle, die Bilder und Dokumente verarbeiten, machen aus „Herausziehen“ etwas Weitergehendes: aus einem abfotografierten Lieferschein, einem Zählerstand, einem Schaltplan. Technisch ist das heute schon möglich; was fehlt, ist die Verlässlichkeit bei schlechten Vorlagen und die Erfahrung, wie man es prüft. Die Gegenprobe aus Station 04 wird schwieriger, wenn das Original ein Foto ist.
Hören. Gesprächsnotizen aus Telefonaten und Baustellenterminen. Der Nutzen ist offensichtlich, und die Hürde ist nicht die Technik: Eine Stimme ist ein biometrisches Merkmal, die Aufzeichnung eines Gesprächs berührt Persönlichkeitsrechte auf beiden Seiten, und im Beschäftigtenkontext ist sie mitbestimmungspflichtig. Wer das Muster einführen will, fängt bei Station 05 an und nicht bei der Spracherkennung.
Was nicht dazukommen wird, ist „Entscheiden“. Nicht weil die Modelle es nicht könnten, sondern weil die Verantwortung dafür nicht übertragbar ist — Station 07 macht das ausdrücklich.